Kündigungsschutzklage: Kosten berechnen & lohnt sie sich?

Sie vermuten, dass Ihre Entlassung unrechtmäßig ist? Dann können Sie dagegen vorgehen.

Das lohnt sich fast immer: Das Risiko, auf Kosten einer Kündigungsschutzklage sitzen zu bleiben, ist gering. Probieren Sie doch einmal unseren Rechner aus! Dafür winkt oft eine hohe Abfindung.

Erfahren Sie hier, was Ihre nächsten Schritte sind.


Inhaltsverzeichnis:

  1. Kurz: Was ist eine Kündigungsschutzklage?
  2. Erfüllen Sie die Voraussetzungen?
  3. Welche Frist gilt?
  4. Muster – Vorlage einer Kündigungsklage
  5. Der Ablauf – vom Einreichen bis zum Sieg vor Gericht
  6. Lohnt sich der Aufwand dank der Abfindung für Sie?
  7. Anwaltskostenrechner
  8. Wo liegt der Streitwert?
  9. Wie hoch fallen die Gerichtskosten aus?
  10. Wie berechnen sich die Anwaltskosten?
  11. Fallbeispiele
  12. Wer zahlt?
  13. Können Sie sich selbst vertreten?

Kurz: Was ist eine Kündigungsschutzklage?


  • Mit einer Kündigungsschutzklage möchten Arbeitnehmer ihren Arbeitgebern nachweisen, dass eine Kündigung gegen das Gesetz verstößt.
  • Gewinnen sie, werden sie entweder weiterbeschäftigt oder erhalten eine Abfindung. Die Erfolgsquote ist hoch.
  • Abfindungen und Kosten orientieren sich am Brutto-Monatslohn.

Erfüllen Sie die Voraussetzungen?

Damit Sie eine Kündigungsklage einreichen können, muss natürlich eine Kündigung vorliegen.

Um Erfolgsaussichten zu haben, sollte diese Entlassung unzulässig sein. Das Gericht erkennt eine fehlende Zulässigkeit, also eine Unwirksamkeit, in folgenden Fällen an:


  • Sie genießen einen Sonderkündigungsschutz: Sie sind schwanger, in Elternzeit, schwerbehindert, Azubi, im Betriebsrat oder anderweitig unkündbar.
  • Ihre Entlassung wurde nur mündlich mitgeteilt, nicht schriftlich festgehalten.
  • Sie wurden sozial ungerechtfertigt entlassen, also aus Gründen, die nicht personen-, verhaltens- oder betriebsbedingt sind.

Wie die Chancen in Ihrer Situation stehen, teilen wir Ihnen gerne kostenlos mit.

Zudem müssen Sie über ein halbes Jahr im Unternehmen angestellt gewesen sein. Denn nur dann greift der gesetzliche Kündigungsschutz nach KSchG. Die Wartezeit von sechs Monaten (nicht die Probezeit) müssen Sie überschritten haben.

Ihr Arbeitgeber darf außerdem kein Kleinbetrieb sein. Erst ab einer Betriebsgröße von 10 oder mehr Mitarbeitern (in Vollzeit) ist die Klage rechtmäßig.


Kündigungsschutzklage

Welche Frist gilt?

Die Klagefrist beträgt drei Wochen nach der Entlassung (siehe Fristenrechner). In dieser müssen Sie die Anklage beim zuständigen Arbeitsgericht einreichen.

Welches Arbeitsgericht zuständig ist, darüber entscheidet der Unternehmenssitz.


Muster – Vorlage einer Kündigungsklage

Es gibt keine strengen Formen, die Sie bei der Einreichung Ihrer Beschwerde beachten müssen. Im Prinzip reicht dem Arbeitsgericht ein kurzer Text aus. In unserem Muster (hier klicken) können Sie Ihre persönlichen Daten eintragen.

Der Ablauf – vom Einreichen bis zum Sieg vor Gericht

Die Dauer eines Prozesses kann mehrere Monate betragen.

  1. Nach drei Wochen müssen Sie Ihre Klage eingereicht haben
  2. Zwei bis sechs Wochen nach Eingang beim Arbeitsgericht findet die Güteverhandlung statt. Hier verhandeln Sie – ohne anwesende Richter – direkt mit dem Arbeitgeber über einen Vergleich
  3. Kommt keine Einigung zustande, geht der Prozess beim Kammertermin nach etwa vier Monaten in erster Instanz vor Gericht
  4. Innerhalb von einem Monat nach dem Urteil können beide Seiten Berufung einlegen
  5. Wird der Berufung stattgegeben, geht der Prozess in die zweite Instanz

Lohnt sich der Aufwand dank der Abfindung für Sie?

Die gute Nachricht für Arbeitnehmer: Die Klage ist in den meisten Fällen sinnvoll. Die Erfolgsquote liegt der Erfahrung nach bei über 90 Prozent.

Es gibt zwei Wege, wie Sie erfolgreich aus dem Prozess hinausgehen:

Die Weiterbeschäftigung nach gewonnener Kündigungsschutzklage: Sie erhalten Ihren Job zurück, eine Lohnfortzahlung und natürlich auch eine Gehaltsnachzahlung der versäumten Arbeitszeit.

Vielleicht möchten Sie das aber gar nicht. Schließlich ist das Vertrauensverhältnis zum Geschäftsführer und Co. erschüttert.

Dann haben Sie Glück: Die meisten Arbeitsschutzklagen enden in einem Vergleich. Ihr Arbeitgeber zahlt Ihnen eine Abfindung, statt eine Wiedereinstellung durchzuführen. Diese Abfindung kann entweder freiwillig gezahlt werden, um einen weiteren Prozess zu vermeiden. Oder sie wird bei Bedarf gerichtlich verhängt.

Ungefähre Abfindung = Halber Brutto-Monatslohn x Beschäftigungsjahre

Übrigens: Wenn Sie trotz einer ungültigen Kündigung keine Klage einreichen, fallen Sie in die Sperrzeit des Arbeitsamts. 12 Wochen lang erhalten Sie dann kein Arbeitslosengeld ALG 1.

Ob sich eine Klage lohnt, hängt aber auch von den Kosten ab. Im Endeffekt sollten Sie natürlich mit einem Plus davonkommen. Wann das der Fall ist, erfahren Sie im nächsten Abschnitt.


Kosten einer Kündigungsschutzklage – unser Rechner

Die Kosten für eine Kündigungsschutzklage ergeben sich aus den Gerichtskosten und dem Honorar Ihres Anwalts. Beide sind gesetzlich verankert und orientieren sich am Streitwert. Je höher Ihr Gehalt, desto teurer der Prozess. Aber: Was Sie am Ende zahlen, hängt vom Ausgang ab.


Nutzen Sie unseren Anwaltskostenrechner:



Wo liegt der Streitwert?

Der Gegenstandswert entspricht drei Brutto-Monatsgehältern. Bei einem Monatsgehalt von 3000 Euro brutto liegt der Streitwert also bei 9000 Euro.

Davon ausgehend ergeben sich die Gerichts- und Anwaltskosten.


Wie hoch fallen die Gerichtskosten aus?

Laut Gerichtskostengesetz gibt es feste Beträge, die ein Prozess im Arbeitsgericht kostet.

Diese werden nur erhoben, wenn die Gerichtsverhandlung UND ein Urteil zustande kommen. Wenn Sie die Klage also erst einreichen und dann rechtzeitig zurückziehen, entfällt die Gebühr. Dasselbe wie bei einer Rücknahme gilt, wenn ein Vergleich aufgestellt wird.


Wie berechnen sich die Anwaltskosten?

Auch die Kosten für den Rechtsanwalt (RVG) orientieren sich am Streitwert. Sie liegen deutlich höher als die Gerichtsgebühren und fallen in jedem Fall an.

Genauer spaltet sich das Honorar folgendermaßen auf:

  • Verfahrensgebühr für die Einreichung der Anklage
  • Terminsgebühr für die Vereinbarung und Wahrnehmung von Gerichtsterminen
  • Im Falle einer Einigung per Vergleich kommt eine Einigungsgebühr dazu

Außerdem werden 19 Prozent Mehrwertsteuer sowie eine Auslagenpauschale von höchstens 20 Euro aufgeschlagen. Reisekosten werden extra berechnet.


Fallbeispiele

Da es kaum Spielraum für die Preise von Anwalt und Gericht gibt, lassen sich die Ausgaben schon im Vorhinein gut abschätzen. Das ist auch wichtig, um von Anfang an zu wissen, ob sich ein Prozess lohnen könnte.

Die folgenden Fallbeispiele helfen bei der Einschätzung:


Streitwert bis max. … EUR
(3 Brutto-Gehälter)

Gerichtsgebühren…EUR
(2-fache Gebühr)

Anwaltsgebühren…EUR bei Urteil
(2,5-fache Gebühr)

Anwaltsgebühren …EUR
bei Vergleich
(3,5-fache Gebühr)

500
76,00 122,50 171,50

1.000
116,00 220,00 308,00

1.500
156,00 317,50 444,50

2.000
238,00 555,00 777,00
3.000 280,00 695,00 973,00
4.000 322,00 835,00 1.169,00

5.000
364,00 975,00 1365,00
6.000 406,00 1.115,00 1.561,00
7.000 448,00 1.255,00 1.757,00
8.000 490,00 1.395,00 1.953,00
9.000 532,00 1.535,00 2.149,00
10.000 590,00 1.665,00 2.331,00
13.000 648,00 1.795,00 2.513,00
16.000 706,00 1.925,00 2.695,00
19.000 764,00 2.055,00 2.877,00
22.000 822,00 2.185,00 3.059,00
25.000 898,00 2.387,50 3.342,50
30.000 974,00 2.590,00 3.626,00
35.000 1.050,00 2.792,50 2.909,50
40.000 1.050,00 2.792,50 3.909,50
45.000 1.126,00 2.995,00 4.193,00

Wer zahlt?

Auch, wer die Kosten trägt, steht fest:


  • Die Gerichtskosten trägt der Verlierer. Bei einem Vergleich entfallen sie.
  • In der ersten Instanz (vor dem Arbeitsgericht) trägt jeder die eigenen Anwaltskosten. Ganz egal, wie das Urteil ausfällt.
  • Erst in der zweiten Instanz (vor dem Landesarbeitsgericht) muss der Verlierer unter Umständen (anteilig) für die Anwaltsgebühren des Gewinners aufkommen.

Das kommt Ihnen als Arbeitnehmer entgegen: Selbst, wenn Ihre Klage abgewiesen wird oder scheitert, müssen Sie den Anwalt des Arbeitgebers nicht finanzieren.

Übrigens: Schutzklagen des Arbeitnehmers sind nach EStG als Werbungskosten steuerlich absetzbar.

Prozesskosten abgeben

Es gibt vier Wege, über die Sie ohne eigene Zahlung der Prozesskosten davonkommen. Dann lohnt sich eine Klage in jedem Fall. Egal, ob gewonnen oder verloren.

  1. Sie haben eine Rechtsschutzversicherung.
  2. Sie nehmen staatliche Prozesskostenhilfe in Anspruch. Ihr Anwalt hilft, diese zu beantragen.
  3. Eine Prozesskostenfinanzierung hilft aus.
  4. Ihre Gewerkschaft unterstützt sie.

Können Sie sich selbst vertreten?

Theoretisch schon. Es besteht in erster Instanz kein Anwaltszwang. Sie können die Anträge selbst einreichen und sich eigenständig vertreten. Ohne Anwalt fallen dann natürlich auch die Kosten geringer aus.

Allerdings lohnt es sich in der Regel, einen Anwalt zuzuziehen – nicht nur wegen der bürokratischen Entlastung. Denn ein Anwalt schafft es durch Verhandlungsgeschick oft auch, die Abfindung zu erhöhen.

Sollten Sie klagen? Wir sagen es Ihnen kostenlos

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Autor: Adam Schneider

Datum: 17.01.2022




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